Auf unserem Hof Sæból in Nordwestisland ist eine große, gesetzlich unter Schutz gestellte Eiderkolonie mit ca. 2300 Nestern in einem 7 ha großem Gebiet.

Die Eiderente lebt wild in nördlichen Regionen und brütet im Mai/Juni.

Seit die ersten Wikinger Island besiedelten, haben sie die Daunen genutzt, mit denen die Eiderente ihr Nest auspolstert. Im Laufe der Zeit hat sich daraus eine einzigartige Symbiose zwischen Mensch und Eiderente entwickelt, die seit 1847 in Island unter völligem Naturschutz steht.

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Die Kolonie ist gut mit Schildern begrenzt was leider manchmal nicht genug ist um neugierige Menschen in Abstand zu halten

 

Diese Symbiose funktioniert so, dass der Mensch ein geschütztes Gebiet zur Verfügung stellt, wo die Eiderente in Ruhe brüten kann ohne von Raubvögeln, Polarfüchsen, Haustieren und anderen Menschen gestört zu werden. Das bedeutet, das Gebiet muss in der Brutzeit Tag und Nacht bewacht werden. Ausserdem werden gemütliche Nestplätze zur Verfügung gestellt, wie Autoreifen, kleine Häuschen, überdachte Nester und alle möglichen Varianten, siehe Fotos.

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Beispiel für Nistplätze. Foto und Haus gemacht von Hanný Norland Heiler

 

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Beispiel für Nistplätze. Fotograf: Stephanie Hentschel

 

Im April, sobald es der Schnee erlaubt, werden aus allen Nestern alte Eierschalen und Heu entfernt und neues Heu in die Nester gelegt, am besten gerupftes altes Gras vom Vorjahr. Die alten Eierschalen sollen neben den Nestern liegenbleiben, um die Vögel anzulocken, die allerdings oftmals sowieso in ihre alten Nester zurückkehren.

Ausserdem werden Vogelscheuchen aufgestellt und überall Schnüre mit bunten Bändern gespannt, Felsen am Strand und Zaunpfosten in leuchenden Farben angemalt und allerlei bunte Sachen verteilt, z.B. alte Netzkugeln, die oft am Strand angespült werden oder Stöcke mit Fähnchen. Ein Radio wird im Gebiet installiert, das Tag und Nacht läuft. Diese Maßnahmen sind sowohl dazu, ungewollte Gäste (Raben, Möwen, Füchse) zu vertreiben, und ebenfalls, die Enten anzulocken, die bunte Farben lieben und sich zwischen all diesen Sachen geschützt fühlen.

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Vogelscheuchen 16.apríl 2014

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Flaggen die wir im Frühling 2016 aus Material von Kidka, der Vollfabrik in Hvammstangi gemacht haben

 

Ende April kommen meist die ersten Paare und watscheln zwischen den Nestern umher, begutachten alles und fangen an, ihre Nester herzurichten, sprich, alles rauszuschmeissen, was ihrer Meinung nach nicht drin zu sein hat und andere Sachen (Moos, Gras, Tang, Heu) zuzufügen. Sie legen dann ein Ei pro Tag, decken es zu und gehen wieder ins Meer. Wenn ein paar Eier beisammen sind, fangen sie an zu brüten, meist auf 4-6 Eiern.

Sobald das erste Paar über Nacht bleibt, beginnen wir mit den Nachtwachen, 6 Wochen lang. Die Brutzeit ist um 24 Tage, aber es fangen leider nicht alle zur gleichen Zeit an. Während des Brütens polstern sie das Nest mit dem einzigartigen Eiderdaunen aus, um die Eier gegen Kälte zu schützen.

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Fünf Eier die alle schon am schlüpfen sind

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Eiderente auf ihrem Nest

Die erste Zeit sitzt der Eiderentenmann brav neben seiner Frau, aber bevor es Ernst wird und die Jungen kommen, macht er sich davon und überlässt ihr die Hauptarbeit.

In dieser Zeit vertreiben wir hauptsächlich Raben, die großen Schaden anrichten können, sie treiben die Enten vom Nest, klauen die Eier und verwüsten unter Umständen das ganze Nest. Auch einige Möwenarten versuchen dies. Die ganze Nacht sind wir unterwegs, damit der Polarfuchs nicht kommt und etwas anstellt oder Nerze, die allerdings in unserem Gebiet im Moment zum Glück nicht sehr verbreitet sind.

Ein Teil der Arbeit besteht darin, neugierige Touristen fernzuhalten.

Es dauert viele Jahre, so eine Eiderkolonie aufzubauen, aber wenn man sie gut bewacht, kommen die Eiderenten Jahr fuer Jahr wieder und es werden immer mehr.

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Mitten in der Eiderentenkolonie. Bild wurde beim daunensammeln gemacht von Stephanie Hentschel

In den allerletzten Tagen vor dem Schlüpfen der Jungen werden die Daunen eingesammelt. Dazu muss man in die Eiderkolonie hinein und ruhig und vorsichtig von Nest zu Nest kriechen. Einige wenige Enten, meist neue oder junge, fliegen weg, die meisten stehen nur schimpfend auf, andere muss man vom Nest heben. Dann nehmen wir alle Eier vorsichtig heraus, sammeln die Daunen und machen ein neues Nest mit viel Heu, legen die Eier wieder rein und alle Enten kommen fast sofort wieder und setzen sich wieder drauf.

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Nest mit Daunen. Fotograf: Stephanie Hentschel

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Nest nach dem die Daunen weggenommen sind. Fotograf: Stephanie Hentschel

 

Dies macht man nur bei gutem Wetter, es darf nicht zu kalt sein, der Eier wegen, nicht regnen oder viel Wind sein.

Mit dieser Methode bekommt man die wertvollsten und saubersten Daunen und es schadet den Jungen nicht, sie schlüpfen alle und liegen im gemütlichen Heubett, bis alle trocken sind. Dann geht die Ente mit ihnen sofort ins kalte Meer, wo sie gleich nach Futter tauchen müssen.

Auch hier passen wir noch sehr gut auf am Strand, damit sie nicht gleich von den riesigen Möwen direkt vom Meer aufgeklaubt und gefressen werden.

Die eingesammelten Daunen werden sofort ausgebreitet, mit Gebläse vorsichtig, aber völlig getrocknet und grob gereinigt. Anschließend werden sie zur Feinreinigung in eine Reinigungsstation gebracht.

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Tobbi beim Trocknen der Eiderdaunen Fotograf: Stephanie Hentschel


Wir machen auch Decken aus eigenen Daunen. Hier kann man mehr über die Decken lesen.

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Fotogalerie:

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Nest-Beispiele:



Daunensammeln:

  

Bewachung:

Andere Bilder:


Videos:

So werden die Nester vorbereitet
Das Video ist seit im Frühling 2017. Wir hatten nicht direkt Wetterglück dieses Jahr. 

 

Eiderente tut ihre Daunen arrangieren. Ich würde empfehlen das ihr dieses Video in der besten möglichen Qualität anschaut.

 

Entchen am schlüpfen

 

Entchen am schlüpfen #2

Eiderenten bringen ihre Entchen zum Meer


Der isländische Verband der Eiderbauern hat dieses Video herausgegeben: